Profis - „Ohne Teamgeist geht es nicht“
Die Transfers für die neue Saison sind getätigt. fc-koeln.de sprach mit FC-Geschäftsführer Jörg Schmadtke über die Philosophie hinter der Kaderplanung und den Konkurrenzkampf um die Plätze.

Herr Schmadtke, der FC hat für die kommende Saison sieben Neuzugänge verpflichtet, wenn man den bisher nur ausgeliehenen Slawo Peszko dazu rechnet, sind es sogar acht. Sind die Transferaktivitäten damit abgeschlossen, obwohl ja noch viel Zeit bleibt bis zur Schließung des Transferfensters Ende August?

Jörg Schmadtke: Ja, wenn es nicht noch eine außergewöhnliche Gelegenheit gibt, dann sind unsere Planungen abgearbeitet. Wir waren mit unseren Ideen schon im Frühjahr recht weit und die sportliche Entwicklung hat es uns erleichtert, diese Ideen recht schnell umzusetzen. Unser Ziel war es, die Zugänge vor der WM festzumachen, so dass dem Trainerteam zum Auftakt in die Vorbereitung der gesamte Kader zur Verfügung steht. Ich glaube auch, dass es im Sommer, spätestens nach der WM, nochmal richtig Bewegung auf dem Transfermarkt gibt. Es ist bestimmt kein Nachteil, wenn wir als Aufsteiger in dieser Phase schon Ruhe haben und uns voll auf die Arbeit mit dem Team konzentrieren können.

Der Kader ist nach jetzigem Stand recht groß. Werden noch Spieler den FC verlassen?

Bevor sie in den Urlaub gegangen sind, haben wir mit allen Spielern über ihre sportliche Perspektive gesprochen. Wir haben immer betont, dass wir niemanden wegschicken. Aber gerade für die, die schon in der letzten Saison wenig gespielt haben, ist durch den Aufstieg und die Neuzugänge  ja nochmal eine andere Situation entstanden. Ich rechne deshalb damit, dass sich von denen, die in die Vorbereitung einsteigen in den nächsten Wochen noch der ein- oder andere dazu entscheiden wird, eine neue Chance zu suchen. Diese Perspektive haben sie definitiv, denn auch die Spieler, die wenig zum Einsatz gekommen sind, hatten in der Gruppe ihren Anteil am Aufstieg. Das gibt es nicht so oft, und das spricht sich auch bei anderen Vereinen rum.

Sie sagen ja gern, dass es nicht darum geht, Einzelspieler zu verpflichten, sondern eine Gruppe zusammenzustellen. Worauf haben Sie vor diesem Hintergrund in den letzten Wochen geachtet?

Es ging darum, ein paar Dinge hinzuzufügen, zum Beispiel etwas mehr Erfahrung und Kopfballstärke. Vor allem wollten wir aber den Kader insgesamt so entwickeln, dass wir auf allen Positionen Konkurrenzkampf haben und der Trainer Alternativen hat, um taktisch flexibel sein zu können und auf Verletzungen, Sperren oder Formschwankungen reagieren zu können. Alle bringen große fußballerische Qualität mit und werden uns mit ihren jeweiligen Stärken sehr gut tun. Zudem ist es uns in der Tat sehr wichtig, dass die Neuzugänge auch menschlich in die Truppe passen. Fußball ist ein Mannschaftssport, und was eine intakte Gruppe ausmacht, haben wir in der abgelaufenen Saison gesehen.

Sie und Trainer Stöger haben ja betont, dass sie den Spielern vertrauen, die den Aufstieg geschafft haben. Starten sie also mit einem kleinen Bonus in die Saisonvorbereitung oder werden automatisch die sieben Neuen gesetzt sein?

Weder noch. Wir haben keinen Star geholt, der eine Einsatzgarantie hat, sondern lauter Jungs mit Ehrgeiz und Perspektive, sich beim FC durchzusetzen und weiterzuentwickeln. Jeder Neue, der spielen will, muss besser sein als der, der auf dieser Position zuletzt gespielt hat und den der Trainer bereits kennt. Das ist aber völlig normal im Fußball, finde ich. Genauso normal ist, dass es in jeder Saison auch für die Etablierten bei Null los geht. Es gibt immer Konkurrenz. Das ist auch im Training sehr wichtig, denn die gesamte Mannschaft entwickelt sich weiter, und davon profitieren alle. Natürlich wird es beim 1. FC Köln wie bei jedem anderen Club Spieler geben die nicht ganz so glücklich sind wie andere. Aber Peter Stöger und sein Team haben es in der vergangenen Saison hervorragend verstanden, auch Spieler, die mit ihrer persönlichen Situation nicht so zufrieden waren, voll in die Gruppe zu integrieren. Ich bin sehr zuversichtlich, dass das in der kommenden Spielzeit genauso sein wird. Die Jungs sind charakterlich alle in Ordnung und alle wissen: Wenn wir in der Bundesliga bestehen wollen, wird es ohne Zusammenhalt und Teamgeist nicht gehen.

Jetzt beginnt die WM. Ist das Arbeit für Sie oder können Sie ein wenig abschalten, nachdem die Transfers abgearbeitet sind?

Ich bin wirklich zufrieden, dass wir unsere Ideen so umsetzen konnten wie geplant und werde jetzt ein paar Tage Urlaub machen. Dabei werde ich ganz entspannt die Spiele sehen. Anfang Juli geht schon die Vorbereitungsphase los, auf die ich sehr gespannt bin und die sehr wichtig sein wird für uns. Und dann freue ich mich auf die Bundesliga!
Further information